Untersuchungs-Kit für die Blutuntersuchung
Untersuchungskit BIS+
Foto: Charité / Peitz

Epidemiologische Studie der Nierenfunktion älterer Menschen

An der Berliner Initiative Studie nehmen seit 2010 über 2.000 Versicherte der AOK Nordost jenseits des 70. Lebensjahres teil. Diese Kohortenstudie dokumentiert die Veränderung der Nierenfunktion alter Menschen über mehrere Jahre.

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Ziel der Berliner Initiative Studie

Der Alterungsprozess der Niere geht häufig mit einem Verlust an Nierenfunktion einher, wobei immer wieder diskutiert wird, ob es sich dabei um einen krankhaften Funktionsverlust oder um eine Organalterung im Sinne der Seneszenz handelt.

Bisher existieren nur wenig epidemiologische Daten zur Nierenfunktion bei älteren Personen. Dies betrifft auch die Frage nach Inzidenzen und Prävalenzen einer Niereninsuffizienz im Alter, Risikofaktoren für die Entstehung einer Niereninsuffizienz und die Progressionsrate zu dialysepflichtigem Nierenversagen.

Dieser Wissensmangel hat verschiedene Ursachen:

  • Das Thema hatte in den letzten Jahrzehnten nicht die Brisanz, die es durch das prognostizierte Älterwerden der Gesellschaft auf einmal gewonnen hat
  • Das Rekrutieren und die Betreuung alter Menschen in Studien (vor allem Studien, die über einen längeren Zeitraum laufen) ist durch altersbedingte Begleiterkrankungen und Gebrechlichkeit aufwendig und zeitintensiv. Deshalb werden ältere Personen häufig aus Studien ausgeschlossen.
  • Es fehlte lange eine validierte Methodik zur Erfassung einer Niereninsuffizienz bei älteren Personen, d. h. Personen >70 Jahre.

Die Berliner Initiative Studie (BIS) möchte diese Lücken schließen. Das Projekt besteht aus einem zweiteiligen Vorhabe:

Der erste Teil (Querschnitt) diente hierbei der Erstellung und Validierung zweier Formeln, die eine genauere Schätzung der GFR bei >70-Jährigen erlaubt, verglichen mit herkömmlichen GFR-Schätzformeln.
Der zweite Teil stellt eine longitudinale Untersuchung dar, anhand derer Fragen zu Risikofaktoren und Progression einer Niereninsuffizienz im Alter über einen Zeitraum von mehreren Jahren beantwortet werden sollen. Anhand der gewonnen Daten sind Aussagen zu präventiven Ansätzen und Therapien möglich.

Über die Untersuchungen

Untersuchung des allgemeinen Gesundheitszustandes und Einschätzung der Nierenfunktion

eine Hand bedient ein Gerät zur Messung der Handkraft
Die Messung der Handkraft ist Bestandteil der Untersuchung.
Foto: Peitz / Charité

Im Rahmen einer ersten Studienvisite wurden Blutdruck und Puls sowie Gewicht und Körpergröße gemessen. Des Weiteren wurde Blut abgenommen (Bestimmung von Blutbild, Langzeit-Blutzuckerwert, Blutsalzen, Eiweiß, Leber- und Nierenwerte) und eine Urinprobe gewonnen (Bestimmung von Eiweiß im Urin).

Die Hälfte der Röhrchen wurde eingefroren, um ggf. später daraus weitere Werte zu bestimmen wie z.B. Parameter für den Knochenstoffwechsel. Angaben zu Lebensgewohnheiten sowie Risiken in Zusammenhang mit Herz- und Gefäßerkrankungen wurden mittels eines Fragebogens adressiert. beinhaltete. Alle Angaben wurden im Sinne des Datenschutzes in pseudonymisierter Weise erfasst und verschlüsselt. Rückschlüsse auf die Person sind somit NICHT möglich. Im Anschluss an die Studienvisite erhielten die Teilnehmer ca. 2 Wochen später einen schriftlichen Bericht ihrer persönlichen Ergebnisse.

Zwei, vier und sechs Jahre später wurden erneut alle Studienteilnehmer zu einer erneuten Nierenuntersuchung eingeladen. Um im Rahmen dieser Altersstudie im ganzheitlichen Sinne ein allumfassenderes Bild unserer Studienteilnehmer zu zeichnen, wurde im Rahmen dieser Folgeuntersuchungen auch die Gebrechlichkeit anhand eines Fragebogens erfasst.

Ab Januar 2018 werden wir unsere Studienteilnehmer ein weiteres, also fünftes Mal (nach insgesamt acht Jahren) kontaktieren, um zu erfahren, wie sich ihr Gesundheitszustand im Allgemeinen, und natürlich ihre Nierenfunktion im speziellen, entwickelt haben. Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie weiterhin bereit wären, an der Berliner Initiative Studie teilzunehmen!

Exakte Messung der Nierenfunktion

Ein Drittel aller Teilnehmer (circa 600 von insgesamt 2069) war zu einer zusätzlichen Untersuchung bereit, die die Funktion der Nieren ganz exakt misst. Diese Untersuchung fand nicht in den Arztpraxen, sondern an 3 Charité-Standorten (Wedding, Mitte, Steglitz) statt. Die Teilnahme an diesem zusätzlichen Test war ebenso freiwillig wie die Teilnahme an der "Hauptuntersuchung". Diese fünfstündige zusätzliche Untersuchung beinhaltete insgesamt acht Blutabnahmen, die während eines genau festgelegten Zeitplanes innerhalb dieser 5 Stunden gewonnen wurden. Nach der ersten Blutabnahme wurden 5 ml der gut verträglichen und ungefährlichen Substanz "Iohexol" (ein sog. Kontrastmittel) in die Vene gespritzt. Dies ist ein jodhaltiges Kontrastmittel, welches NICHT radioaktiv ist. Im Falle einer Jod-Allergie, wurde von dieser Untersuchung Abstand genommen. Das gesamte Verfahren (sog. "Iohexolclearance-Messung") ist nicht neu, sondern weltweit seit vielen Jahren etabliert und gilt als sehr sicheres Verfahren. Mit den Ergebnissen war es möglich, die Nierenleistung genau zu messen und mit den Ergebnissen der Schätzung zu vergleichen. Auf diese Weise konnten zwei neue Schätzgleichungen entwickelt werden, mit denen die Nierenleistung im Alter nun genauer geschätzt werden kann, verglichen mit herkömmlichen Gleichungen.

Die Zusatzuntersuchung der exakten Bestimmung der Nierenfunktion wurde 2011 abgeschlossen.

Konsortien

Die BIS ist Mitglied in drei internationalen Konsortien:

  • European CKD burden consortium
  • CKD Prognosis Consortium (CKD-PC)
  • International Network of Chronic Kidney Disease Cohort Studies (iNET CKD)

Förderer und Partner der BIS

Die Berliner Initiative Studie wird hauptsächlich von der KfH-Stiftung Präventivmedizin  finanziert, die 2005 vom KfH Kuratorium für Dialyse und Nierentransplantation e.V. gegründet wurde. Die KfH-Stiftung Präventivmedizin verfolgt gemeinnützige und mildtätige Zwecke durch Förderung des öffentlichen Gesundheitswesens und des Wohlfahrtswesens sowie von Wissenschaft und Forschung. Weitere Förderungen kommen vom DDnÄ - Institut für Disease Management e.V., der Dr. Werner-Jackstädt-Stiftung und der Stiftung für Pathobiochemie und molekulare Diagnostik.

Die AOK Nordost ist die an der Studie beteiligte Krankenkasse. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Studie sind dort versichert.