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Medizinischer Hintergrund

Die Hauptfunktion der Niere ist die Bildung von Urin durch Filtration von Blut. Etwa 40 Mal am Tag fließt das gesamte Blutvolumen durch unsere Nieren. Dabei werden Giftstoffe entfernt und die Konzentration von Mineralien wie Natrium, Kalium, Calcium und Phosphat konstant gehalten. Giftstoffe und andere Abfallprodukte verlassen den Körper über den durch die Niere gebildeten Urin. Die glomeruläre Filtrationsrate (GFR) beschreibt dabei die Menge an Blut, die in einer bestimmten Zeit (i. d. R. ml/min) in den Nieren gefiltert wird. Die GFR ist weltweit der Goldstandard als Indikator der Nierenfunktion.

Mit zunehmendem Alter können die Nieren das Blut weniger gut filtern. Somit werden wichtige Blutbestandteile (z. B. Eiweiß) weniger gut zurückgehalten und Giftstoffe schlechter ausgeschieden. Eine eingeschränkte Nierenfunktion kann durch den Nachweis erhöhter Spiegel harnpflichtiger Substanzen (z. B. Kreatinin oder Cystatin C) im Blut nachgewiesen werden. Das Vorhandensein von Eiweiß im Urin (meist sog. Albuminurie) ist ein Zeichen für eine geschädigte Filterfunktion der Niere.

Es ist wichtig, dass Ärzt:innen bei älteren Menschen die Nierenfunktion so genau wie möglich erfassen, um u. a. Medikamente in ihrer Dosis anzupassen, die über die Nieren ausgeschieden werden und möglicherweise nierenschädigend sein können. Dies kann durch eine etwas zeitintensivere Messung der GFR erfolgen, indem ein Kontrastmittel gegeben und dessen Ausscheidung gemessen wird. Im klinischen Alltag verwendet man in der Regel mathematische Schätzgleichungen, für die man kein Kontrastmittel braucht. Leider fehlten vor Initiierung der BIS valide Schätzgleichungen der Nierenfunktion bei Personen ab 70 Jahren. Eines der Hauptziele der BIS war demnach, valide GFR-Schätzgleichungen für die ältere Bevölkerung zu entwickeln.


Studiendesign

Die BIS, eine populationsbasierte Kohortenstudie wurde in den Jahren 2008 und 2009 konzipiert
und Ende 2009 pilotiert. Die Datenerhebung für die Hauptstudie begann im Januar 2010. Die Studie folgte zwei Ansätzen:

  • Querschnitts-Ansatz
    Mittels einer Zufallsstichprobe wurden in Kooperation mit der Allgemeinen Ortskrankenkasse (AOK) Nordost 2069 (Ziel: 2000) AOK-Versicherte in die Studie eingeschlossen. Im Rahmen von face-to-face Studienvisiten wurden mit Hilfe computergestützter Fragebögen Informationen zu Demografie, Komorbiditäten und verschiedenen Lebensstil-Variablen gesammelt und per körperlicher Untersuchung um anthropometrische Daten komplettiert. Weiterhin wurden Blut- und Urinproben gewonnen mit dem Ziel, die Prävalenz eingeschränkter Nierenfunktion und damit verbundener Risikofaktoren im hohen Alter zu bestimmen.

    Eine Subpopulation (N = 600) der Studienteilnehmer:innen unterzog sich einmalig einem zusätzlichen Verfahren zur Messung ihrer GFR mithilfe des Kontrastmittels „Iohexol“. Dieses Verfahren diente der Entwicklung zweier Gleichungen (BIS1 und BIS2) zur Schätzung der GFR speziell für Personen ab dem 70. Lebensjahr.
     
  • Longitudinaler (prospektiver) Kohortenansatz
    Über einen Zeitraum von 10 Jahren wurden die oben beschriebenen Studienvisiten bei den 2069 Teilnehmer:innen inklusive der Gewinnung von „Biosamples“ alle zwei Jahre durchgeführt, um das Fortschreiten der Nierenfunktion ab dem 70. Lebensjahr zu erfassen. Des Weiteren wurden während der Visiten der Gebrechlichkeitsstatus sowie andere Komorbiditäten wie kardiovaskuläre Erkrankungen und Tod erhoben. 

Methodologische Herausforderungen

Personen ab dem 70. Lebensjahr sind in epidemiologischen Studien generell unterrepräsentiert. Das gilt auch für die Untersuchung des Langzeitverlaufs der Nierenfunktion im Alter. Dies kann zum Teil auf die folgenden inhärenten Herausforderungen zurückgeführt werden: 

  • Die Schwierigkeit der Rekrutierung und Bindung älterer Teilnehmer:innen an jahrelange Längsschnittstudien.
  • Der erhöhte Zeitaufwand der Datenerhebung aufgrund altersbedingter Begleiterkrankungen, Seh- und Hörverlust, Gebrechlichkeit und kognitiver Beeinträchtigungen bei älteren Teilnehmer:innen. 

Darüber hinaus beleuchtete die Beteiligung älterer Teilnehmer:innen einige ihrer psychosozialen Bedürfnisse, die eine wichtige Rolle bei der Aufrechterhaltung ihrer langfristigen Teilnahme an späteren Nachsorgeuntersuchungen der Studie spielten. Die Anerkennung dieser Bedürfnisse durch die Mitglieder des BIS-Teams und ihr außergewöhnliches Engagement trugen maßgeblich zur erfolgreichen Bindung der Teilnehmer:innen über die gesamte zehnjährige Datenerhebungsphase bei.